Trainingsbesuch bei den Tischtennisspielern des SV Weilheim, die seit dem 16. Juni wieder mit gewissen Einschränkungen am Tisch stehen. Von Janis Hegele.

Die weißen Plastikbälle fliegen seit Dienstag vergangene Woche in der Rammerthalle wieder übers Netz. „Endlich“, so Tischtennis-Abteilungsleiter Martin Trescher vom SVW. „Wir waren alle hochmotiviert, und es ist schön, die Gesichter zu sehen“, sagte Trescher am Freitag im zweiten Training nach der Corona-Zwangspause. Dessen Vereinskollege Manfred Alisch, Jugendtrainer und Materialwart, lief da bereits fleißig Bälle sammelnd durch die Halle. Ausgerüstet mit einem Ballsammler – bestehend aus einem Stock plus Korb – und dünnen, schwarzen Einweg-Handschuhen, befreit der Materialwart den Hallenboden von den zahlreichen kleinen weißen Bällen. Soviel Arbeit wie sonst hatte er nicht: „Wir haben die Anzahl an Bällen pro Tisch auf sechs begrenzt”, sagte Trescher.

Verzicht aufs Kabinenbier

Die Überlegung des Deutschen Tischtennis-Bunds (DTTB), die Bälle eines jeden Spielers farblich oder per Markierung zu kennzeichnen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, hatte sich nicht durchgesetzt. Hingegen wurde die „Verordnung des Kultusministeriums und des Sozialministeriums über Sportstätten“ verkündet. Daraufhin erstellte Trescher ein auf die örtlichen Gegebenheiten angepasstes „Covidkonzept“ mit Richtlinien und Empfehlungen für den SVW. Der darin empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern sorgt aber zumindest während der Matches für keine Einschränkungen, da die Spielerinnen und Spieler durch die knapp drei Meter langen Tische sowieso weit genug voneinander entfernt stehen.

Die Sperrung der Duschen und Umkleiden und der Verzicht auf Doppel- oder Rundlaufspielformen stören da schon mehr. „Die ganzen Regeln sind ein bisschen nervig, aber es macht Bock, wieder da zu sein“, sagte der 13-jährige Jugendspieler Luca Christner am Freitagabend.

SV-Abteilungsleiter Martin Trescher stellte einen Einschnitt in die Weilheimer Rituale heraus: „Das Kabinenbier fällt aus“, sagte der 53-Jährige schmunzelnd. Als Folge dessen setzten sich die Aktiven des SVW im Anschluss ans erste Training nach der Zwangspause auf dem Hallenboden zusammen – in jeweils gut geregeltem Abstand zueinander.

Keine Hände auf dem Tisch

Die Tischtennistische in der Rammerthalle stehen wie sonst auch weit genug voneinander entfernt, die Boxen sind durch Umrandungen getrennt. Eine der größten Umstellungen ist die Reinigung der Spielgeräte. Mit Desinfektionsmittel und Küchentüchern wischte Materialwart Alisch am Freitagabend die Tische und das dazugehörige Gestänge sauber, anschließend die Bälle – die sind nun wahrscheinlich so sauber wie noch nie. „Und bekommen durch das Putzmittel ja vielleicht ein bisschen mehr Grip und Speed und sind nicht mehr so lahm“, schmunzelte Alisch. Der hat nun für den Verein spezielles Putzmittel für die Bälle bestellt.

Auf Handshakes und das bekannte Hand-Abwischen auf dem Tisch muss verzichtet werden, viele Turniere in den vergangenen Monaten wurden abgesagt. Die 13-jährige Weilheimerin Katharina Brunotte musste deshalb auf die für den 29. März in Freudenstadt angesetzte Schwerpunktrangliste verzichten. „Das war schon schade“, sagt die SV-Spielerin. Trescher sieht die Situation nun positiv: „Zu dieser Zeit des Jahres sind normal nicht so viele Leute da, aber der Entzug hat die meisten wieder heiß gemacht“, sagte Trescher. Der schaut zuversichtlich in die Zukunft: „Ich denke, dass aus den Vorgaben Empfehlungen werden und immer mehr gelockert wird.“

Der DTTB plant so, als würde die Saison zu Beginn September starten. „Vielleicht anfangs ohne Doppel, aber das ist ungewiss“, sagte SVW-Jugendtrainer Marcus Raiser.

Quelle: Schwäbisches Tagblatt vom 23.06.2020